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Was Menschen lernen …

 

Die Süddeutsche berichtet über eine Wiederholung des sog. Milgram-Experiments aus dem Jahr 1961.

Damals wurde in einem fingierten Versuch den Versuchspersonen suggeriert, dass Sie durch Stromstösse eine „Lernhilfe“ für einen vermeintlichen Probanden im Nebenraum geben sollten. Die Ergebnisse kompakt : 26 Teilnehmer gingen bis zu einer Stromstärke von 450 Volt und nahmen schwerwiegende Verletzungen oder sogar den Tod des „Lerners“ in Kauf – wenn die Verantwortung für dies alles bei einem Versuchsleiter liegt. Nur 14 Teilnehmer brachen vorher ab. ( Siehe auch Bild „Illustration of the setup of a Milgram experiment.
The experimenter (E) convinces the subject (S) to give what he believes
are painful electric shocks to another subject, who is actually an
actor (A). Many subjects continued to give shocks despite pleas of
mercy from the actors. / Created by Wapcaplet in Inkscape. SVG version @ wikicommons )

Anlässlich Guantanamo und generellen Berichten über Folter wird dieses Experiment immer wieder herangezogen um zu belegen, dass auch vollkommen „normale“ Personen bei einer Abgabe von Verantwortung zu vermeintlich „willigen Folterwerkzeugen“ werden können.

Doch 1961 ist lange vergangen – wäre dies auch heute in unserer aufgeklärten Welt noch so möglich ?

Dieser Frage ging Jerry Burger in einem aktuellen Experiment nach – mit erschreckendem Ergebnis.
Auch hier gingen 70% der Probanden bis an die ( in diesem Experiment neu gezogene ) Grenze von 150 Volt und darüber hinaus.

Was haben Menschen nun gelernt fragt der Artikel ?

Ich denke nichts – denn es gibt hier nichts zu „lernen“. Sondern nur um „sein“. Das Mensch-Sein an sich hat sich in den letzten knapp 50 Jahren im Kern nicht wirklich verändert. Gewiss haben wir neue Technologien und Methoden, sind multimedial und vernetzt und schreiben 50 eMails pro Tag. Aber am Ende des Tages sind wir einfach immer noch „Menschen“. Wie vor 50 oder auch 250 Jahren.

Weshalb sollten sich hier grundlegende und tief verankerte Muster verändert haben ?

Gerade in kritischen Situationen fallen Menschen oft in ihre „inneren“ Grundmuster zurück und reagieren bspw. mit Rückzug oder Aggression. Ein wirkliches „Ankämpfen“ gegen diese inneren Antreiber fällt in der Praxis meist schwer – wir sind nun mal im ersten Moment so wie unsere Persönlichkeit ausgeformt ist … erst dann kommt der Kopf und gelernte Verhaltensweisen. Wenn wir darauf Zugriff haben …

Und was schlummert in Ihnen – finden Sie es heraus !