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Change-Allergie ? Wie viele organisationale Antikörper hat Ihr Unternehmen ?

Allergie im Business ?Heute morgen las ich in einem kurzen Text des Kanadiers John Sutherland den Begriff „Organisatorische Abwehrkörper“.

Dieser Begriff hat mich als sehr bildhaft und mit Metaphern denkenden Menschen nicht mehr losgelassen und will nun im Blog verewigt werden.

Antikörper sind bei uns standardmäßig als positive Unterstützer des menschlichen Immunsystems bekannt – etwas Gutes. Sie bekämpfen externe Eindringlinge und schützen das bestehende System. Und genau dieser Satz könnte auch einen ganz bestimmten Mitarbeitertypus beschrieben.

Man sagt, dass der Mensch keine Insel ist – ein Unternehmen erst recht nicht. Ständig kommen neue Einflüsse und Impulse von Außen.

Eine gewisse „Widerstandskraft“ kann durchaus angebracht sein, um sich nicht unter lautem Johlen auf jede Sau hinaufzuschwingen, die ( frisch ausgebrochen aus einem Consultingpferch ) gerade fröhlich grunzend durchs Dorf rennt. Doch aus der Transplantionsmedizin kennt man leider auch Abstoßungsreaktionen von fremden ( ich übersetze hier dann mit „neuen“ ) Organen, die der Medizin stets zu schaffen machen.

Und ist nicht auch mancher Geschäftsführer oder Bereichs- und Abteilungsleiter schier entsetzt von der scheinbar natürlichen „Immunität“ bzw. dann auch beginnenden aktiven „Abstoßungsreaktionen“ bei Innovation und unternehmerischem Wandel ?

Auf welche Antigene reagieren Ihre Antikörper im Unternehmen ?

Kehren wir kurz zurück in die Medizin : Antikörper werden vom Körper erst gebildet – als ( Abwehr- )reaktion auf die sogenannten Antigene. Man spricht hierbei von der sogenannten Immunantwort des Körpers auf einen fremdem Reiz.

Übersetzt in die Unternehmenswelt könnte dies bedeuten, dass dieser „Antikörper-Typus“ im Normalfall sehr unauffällig scheint. Doch sobald erste Workshops, Powerpoints und Konzepte mit den richtigen ( bzw. eben falschen ) Schlüsselworten ( den Antigenen ) im System auftauchen, lässt die Immunantwort nicht auf sich warten. Beginnend mit sanften ( passiven & ausbremsenden ) Reaktionen kann sich die Abwehrreaktion dann bis zum aktiven Dagegenarbeiten steigern.

Bei den Recherchen zu diesem Grundgedanken von John Sutherland und der medizinischen Metapher lernte ich auch den Unterschied zwischen der angeborenen und der erworbenen Immunantwort. Die angeborene Immunantwort reagiert aufgrund vererbter Mechanismen, während die erworbene Immunantwort auch – sofern der fremde Reiz als „ungefährlich“ eingestuft wurde – zu einer Immuntoleranz führen kann.

Hat Ihr Unternehmen bereits ein Projekt mit dem Schlüsselwort / Antigen „Einsparung“ erfolgreich umgesetzt – erfolgreich im Sinne, dass Sie Abwehrreaktionen des Systems kleinstmöglich halten konnten ? Dann haben Sie sich vielleicht eine gewisse Immuntoleranz geschaffen und können auf dieser ( Vertrauens-)basis auch weitere ähnliche Projekte umsetzen.

Oder haben Sie es vielleicht auch geschafft in Ihrem Unternehmen Change-Allergien zu etablieren ? D.h. übergroße Immunantworten auf eigentlich ungefährliche Reize ?

Denken wir wieder zurück in den Bereich Transplantation – hier spricht die Medizin von sogenannten immunsuppresiven Therapien – d.h. Medikamente, die die Abwehrreaktionen des Körpers auf das neue Organ unterdrücken – aber ( im medizinischen Kontext ) dauerhaft eingenommen werden müssen und damit auch die sonstige Immunsystemabwehr des Transplantatträgers reduzieren.

Wie implementieren Sie Wandel ins Unternehmen ? Müssen Sie immunsuppresiv arbeiten und „kritische“ Stimmen konstant unterdrücken ? Was tun Sie für die Akzeptanz von Neuem um diese Abwehrreaktionen im Vorfeld zu mindern und sukzessive aufzulösen ?

Fragen für die „Operationsvorbereitung“

Doch nun zu einer ersten Liste von Fragen ( ich freue mich auf Ihre Ergänzungen und Kommentare ) als Vorbereitung für Ihre nächste „Operation“ im Unternehmen – vielleicht sogar am „offenen Herzen“ ? Dabei ist aus meiner Sicht  die Frage nach „im Unternehmen“ stets zu ergänzen mit „in welchem Bereich / Abteilung ?“ und „welche Teams / Personen ?“.

  • Welche negativen angeborenen Immunantworten – d.h. reflexhafte Abwehrreaktionen gibt es im Unternehmen ?
  • Welche negativen erworbenen Immunantworten – d.h. auf Grundlage schlecht gelaufener Projekte / Umstrukturierungen gibt es im Unternehmen ?
  • Welche erworbenen Immuntoleranzen ( geringe Abwehrreaktionen ) auf Grundlage der Erfahrung aus gut gelaufenen Projekten / Umstrukturierungen gibt es im Unternehmen ?
  • Auf welche Antigene erfolgt diese Reaktion ? Gibt es Schlüsselworte aber auch Schlüsseldienstleister ( wenn Unternehmensberatung xyz kommt, dann … ) oder auch Schlüsselpersonen extern/intern ( wenn Person xyz ein solches Projekt übertragen bekommt, dann … ) ?
  • Auf welche Themen erfolgen quasi allergische ( d.h. in ihrer Abwehr überzogene ) Reaktionen ?
  • Welche Maßnahmen ergreifen Sie im Vorfeld ( bspw. durch intelligente Sensibilisierung und Kommunikation ) um Abwehrreaktionen niedrig zu halten ?
  • Wie „entschärfen“ Sie mögliche Antigene bevor diese Reaktionen auslösen ?
  • Und wenn gar nichts mehr hilft und Ihr Unternehmen an dauerhaften Abstoßungsreaktionen leidet – wie gehen Sie vor ?

Ich freue mich auf kreative, konstruktive aber gerne auch korrigierende Rückmeldungen und spiele mit dem Gedanken aus dieser Metapher auch einen Vortrag zum Thema „Business-Antikörper und Allergien“ zu machen – was halten Sie davon ?